Nachdem meine Frau
ja nun schon den einen oder anderen Eintrag hier verfasst hat, ist es wohl nun
auch an mir einen Beitrag zu unserem kleinen Blog zu leisten. Und was
bietet sich da mehr an als ein paar Zeilen über mein Leben als Ottenpapa und Student
zu verfassen.
Grundsätzlich war
es schon eine ganze Weile mein Wunsch, noch einmal im Ausland als Student
Erfahrungen zu sammeln. Es hat sich allerdings während meines Bachelors nie
wirklich ergeben, obwohl die Gelegenheit sicher da gewesen wäre. Aber wie das
so ist, waren dann Praktika und auch die Freundin irgendwie immer wichtiger.
Nachdem ich nach dem Bachelor schon knapp zwei Jahre in Lohn und Brot stand,
ergab sich nun allerdings doch noch die Gelegenheit, im Rahmen eines
Masterstudiums genau diese Erfahrung zu machen.
Zunächst sollte es
für uns nach Cork im schönen Süden Irlands gehen. Leider wurde mir der bereits
zugesagte Studienplatz dann, ich vermute aufgrund mangelnder Anmeldezahlen,
allerdings doch verwehrt und der Studiengang gestrichen. So musste ich mich
ziemlich kurzfristig nach einer Alternative umsehen und bin dann, auch dank der
Hilfe von college contact, schnell fündig geworden. College contact ist eine
Agentur in Münster, die im Auftrag von Universitäten im Ausland kostenfreie Beratung
und Vermittlung von Studienplätzen in aller Welt anbietet. So ging es dann also
nach Aberdeen, Schottland. Ich wusste vorher nicht viel über diese Stadt, aber
die wesentlichen Anforderungen (englischsprachig, Ein-Jahr-Master) waren hier erfüllt
und die Studiengebühren sind vergleichsweise gering. Und im Endeffekt ist es ja
auch so, dass man es sich überall gemütlich machen kann.
Nachdem ich bereits im Vorfeld einmal in Aberdeen war um eine Wohnung zu suchen, ging das
Abenteuer dann im September für mich und den Ottenhund so richtig los (Reisebericht). Den ersten Kontakt mit der Universität machte ich auch
ziemlich zeitnah, da hier die sogenannten „Freshers“ starteten, eine
DREIWÖCHIGE Einführungs- / Partyveranstaltung. Für mich als alleinerziehenden
Hundepapa war dort allerdings nicht viel zu holen, da ja Frau und Kind noch in
Deutschland verweilten und ich somit nicht lange das Haus verlassen konnte. Und
dazu muss ich auch sagen, dass diese Veranstaltungen doch vor allem für die
jüngeren, undergraduate Studenten gedacht sind. Somit war mein Interesse
sowieso eher gering. Insgesamt war es trotzdem interessant und beeindruckend zu
sehen, welchen Aufwand hier die Studentenvertretungen (student unions)
betreiben um die neuen Studenten zu begrüßen. Dagegen wirkt die eine oder
andere O-Woche in Deutschland geradezu mickrig.
Natürlich ließ ich
es mir aber nicht nehmen, die Universität ein erstes Mal zu besuchen und zu
besichtigen. Der noch relativ neue Campus der Robert-Gordon University in
Aberdeen liegt sehr schön an einem Fluss (River Dee) gelegen und umfasst
diverse sehr schicke und moderne Gebäude. Es gibt eine tolle Bibliothek mit
klasse Ausblick über Aberdeen, ein eigenes Sportscenter und auch die Business
School hat sein eigenes, sehr schönes Gebäude. In allen Gebäuden sind sehr gut
ausgestattete Räumlichkeiten vorhanden und auch für das leibliche Wohl ist
jeweils gesorgt (Subway, Costa, Pizza etc.).
Das Studium selbst
ist in drei Abschnitte eingeteilt. Der erste Abschnitt begann somit Ende September
und die Vorlesungszeit endete kurz vor Weihnachten. Im Januar standen dann die
ersten Klausuren an. Mein Studiengang (MSc Accounting & Finance) ist so
aufgebaut, dass im ersten Teilabschnitt die Grundlagen gelegt und dann per
Klausur geprüft werden. Die Inhalte waren auf vier Module mit den Schwerpunkten
Finance, Accounting und Quantitative Methoden verteilt. Das zweite Trimester,
welches dann jetzt seit ca. drei Wochen läuft, baut dann darauf auf und
vertieft gezielt bestimmte Inhalte bis ins Detail. Im zweiten Semester liegt
der Fokus auf Corporate Finance, Management Accounting und die Vorbereitung der
Master Thesis, welche dann das Kernelement des dritten Abschnitts bildet. Die
vorherrschende Prüfungsform im zweiten Abschnitt ist auch nicht mehr die
Klausur, sondern es werden zunehmend Hausarbeiten als Leistungsnachweis
verlangt. Somit läuft ab jetzt offensichtlich alles auf die finale Erstellung
der Abschlussarbeit hinaus.
Was aber sicher
interessanter ist, sind meine Erfahrungen im Studienalltag. Mein Kurs besteht
aus 15 Studenten, ist also relativ klein. Um trotzdem wirtschaftlich zu
arbeiten, bietet die Uni mehrere ähnliche Masterkurse an (Financial Management,
Oil & Gas Finance etc.), welche sind dann diverse Kurse teilen und somit
sind wir in der Regel knapp 30 Studenten in den Vorlesungen. Die
Zusammensetzung ist dabei sehr international (Schotten sind sogar eher die
Ausnahme). Das liegt an der eher praktischen und für berufserfahrene
ausgelegten Studienordnung der Robert Gordon University im Bereich Master
Wirtschaftswissenschaften. Meine Kommilitonen kommen somit aus ganz Europa,
Asien und vor allem auch Afrika (viele aus Nigeria und Ghana). Genau das macht
es aber, aus meiner Sicht, so spannend hier zu studieren. Man bekommt
unheimlich viele neue Eindrücke und lernt die verschiedensten Menschen und
deren Kulturen kennen. Alle sind irgendwie fremd in Aberdeen und somit schweißt
das gut zusammen. Neben den vielen internationalen Studierenden sind auch die Dozenten sehr international. Meine bisherigen Professoren kamen unter anderem aus China, Pakistan oder Nigeria.
Falls jemand explizite Fragen zum Studieren in Aberdeen hat, können diese gerne in den Kommentare hinterlassen werden.
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